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04. 2015

Kahl Schwerlast setzt auf „Kompetenz zum Quadrat“

Mit der spektakulären Übergabe einer in dieser Form so noch nie zuvor konstruierten Scherenhubbrücke an die Kahl Schwerlast GmbH (Moers) haben die Goldhofer Aktiengesellschaft und die Firma Greiner in einem Kooperationsprojekt für einen weiteren „Paukenschlag“ in der Schwerlastbranche gesorgt und erneut ihre technologische Kompetenz unter Beweis gestellt.

„Dieses Projekt sucht in der Schwerlastlogistikbranche wirklich seinesgleichen“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Goldhofer, Stefan Fuchs bei der Taufe auf den Namen „G²│K 600“ vor gut 130 Gästen im Memminger Werk. Andreas Kahl, der Geschäftsführer von Kahl, erklärte: „Wir freuen uns, dass wir für dieses Projekt die Kompetenz von Goldhofer und Greiner nutzen konnten.“

Nicht nur der Brücken-Name „G²│K 600“ ist außergewöhnlich: »G²« steht für die Gleichung „Goldhofer + Greiner = Kompetenz zum Quadrat« und „K 600“ für die Firma Kahl und die maximale Nutzlast der Brücke von 600 Tonnen.  Bei der neuartigen Konstruktion der Brücke standen die Optimierung des Verhältnisses von Eigengewicht zu Nutzlast, eine temporäre Neupositionierung der Last sowie deren neuartige Verteilung auf die Achsen an erster Stelle des Lastenheftes. So konnte eine Achslastverteilung von weniger als zwölf Tonnen realisiert werden, was ein einzigartiger Wert ist.

Die Brücke ist auf eine Konfiguration von maximal 2x24 Achsen und eine Lastaufnahme von bis zu 550 Tonnen ausgelegt. Dadurch sind mehrere Optionen für die Aufnahme von verschiedenen extrem schweren Gütern, wie Generatoren, Transformatoren, Motoren, Turbinen oder Haspeln möglich. Dabei wird in Verbindung mit dem Hauptträger die Ladung mit Konsolen auf dem Obergurt abgelegt. Zu den Alternativen bei der Ladungsaufnahme gehören das Aufnehmen über ein zusätzliches Lastgehänge mit Querträgern sowie die direkte Ankupplung an die Tragschnäbel ohne Längsträger oder mittels der Stützfahrwerke, so dass kein Kran benötigt wird. Die „G²│K 600“ kann somit als Seitenträgerbrücke, als Kesselbrücke, als Hochbrücke oder als Tragschnabelbrücke mit freitragender Ladung gefahren werden. Zudem kann man die Brückenträger als eigenständiges Brückenüberfahrsystem (36 m) einsetzen.

Das auf einem ganz neuen Baukastensystem basierende Konzept von Goldhofer und Greiner bietet eine enorme Anzahl an Einsatzmöglichkeiten für diese Brückenkonstruktion, deren Flexibilität mit einer Spannweite von mehr als 52 m bei einer Gesamtlänge von rund 89 m (ohne Scheren und Zugmaschinen) außergewöhnlich hoch ist. „Das versetzt uns in die Lage, die Anforderungen für die Genehmigung unserer Schwerlasttransporte besser, schneller und effizienter erfüllen zu können“, erläuterte Andreas Kahl, Geschäftsführender Gesellschafter der Kahl Schwerlast GmbH.

Schließlich gibt es in Europa und vor allem auch in Deutschland immer mehr marode Straßen und Brücken, die aus Sicherheitsgründen nur noch mit vergleichsweise geringen Achslasten befahren werden dürfen. Gleichzeitig jedoch werden die Güter, die transportiert werden müssen, immer schwerer und größer. Mit der Konsequenz, dass die zuständigen Behörden diese Schwerlasttransporte meist erst nach langwierigen und aufwendigen Verfahren genehmigen. Nicht selten müssen dabei aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse große Umwege in Kauf genommen werden. Oder die Genehmigung wird schlichtweg verweigert. Manche Güter, wie beispielsweise ein 400 Tonnen schwerer Walzenständer, werden in Deutschland deshalb nicht mehr in einem Stück produziert, weil die Transporte von und zu den Häfen kaum mehr durchführbar sind.  

„Mit dieser neuen Brücke leisten wir einen kleinen Beitrag zum Erhalt des Industriestandortes Deutschland im Maschinen- und Anlagenbau“, betonte Andreas Kahl bei der Fahrzeugübergabe und erklärte: „Aufgrund der zahlreichen Optionen, die uns diese Brücke bietet, können wir künftig öfter die für den Transport schnellste Strecke nutzen und müssen nicht Umwege in Kauf nehmen. Dadurch sparen wir Zeit und Kosten und können noch flexibler auf die Anforderungen unserer Kunden reagieren.“ Die Kahl Schwerlast GmbH transportiert vornehmlich 200 bis 300 Tonnen schwere Stückgewichte und kommt jetzt mit der „G²│K 600“ auf eine Achslastverteilung von unter 12 Tonnen. „Das ist ein einmaliger und bislang noch nie erreichter Wert“, erläuterte Michael Greiner, Geschäftsführer der Greiner Fahrzeugtechnik GmbH (Neuenstein), Spezialist für die Entwicklung und den Bau von Hubsystemen und Brücken. „Wir sind stolz darauf, dass wir in dieses Projekt unsere gesamte Erfahrung mit einbringen konnten.“

Die erforderliche Achslinienanzahl der Plattformkombination kann ohne großen Aufwand und schnell an die Größe der Ladung angepasst werden. Die Breite der Brücke ist im Bereich von 1.620 bis 6.200 mm (lichtes Lademaß) stufenlos verstellbar, der vertikale Hub im Bereich der Lastaufnahme beträgt 2.145 mm. Eingesetzt werden Goldhofer-Schwerlastmodule der Baureihen THP und der hydrostatisch angetriebenen Selbstfahrer PST/SL-E, wobei die Zahl der Achslinien von 2x10 auf 2x24 (Split- und P-Kombination möglich) erweiterbar ist.

Die offizielle Übergabe erfolgte im Rahmen eines spektakulären Eventprogramms bei der Goldhofer Aktiengesellschaft in Memmingen. Zahlreiche nationale und internationale Gäste verfolgten die Weltpremiere dieser außergewöhnlichen Scherenhubbrücke. In Nebelschwaden gehüllt und unter den Klängen von AC/DC präsentierte sich die imposante Konstruktion seinen Besuchern. Dazwischen sorgte ein Kraftsportler aus Österreich mit seiner außergewöhnlichen Show im Verbiegen von Stahlprofilen mit Händen und Zähnen für Staunen im Publikum. Nach der anschließenden Taufe der Scherenhubbrücke durch Rainer und Andreas Kahl auf den Namen „G² I K 600“ endete der kurzweilige Event mit einem zünftigen Bayerischen Abend bei interessanten Fachgesprächen.

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